Großer Aufwand - große Wirkung die die Aids-Hilfe Westmecklenburg und der LSVD-LV MV Gaymeinsam e.V. den Schülern ermöglichte: Zwei Stunden ungeteilte Aufmerksamkeit für ein auch in Wismar brisantes Thema waren am 07.06.2011 im ausgebuchten Theater mit 556 Jugendlichen garantiert.
„Ihr könnt alles machen, alles probieren, alles trinken, alles essen, alles erfahren in eurem Leben - aber immer nur die Hälfte.“ Das ist eine der Botschaften, die der Kabarettist, Komiker und Tänzer Eisi Gulp mit seinem Programm „Hackedicht - oder was?“ seinem jungen Publikum im Wismarer Theater vermittelte, ein Satz, der ihm in seiner Jugend von einem chinesischen Lehrer ans Herz gelegt worden war.
„Warum trinken wir Alkohol, rauchen wir Zigaretten oder Hasch?“ Diese Frage zog sich durch das Programm, das auf seine ganz spezielle Art und Weise und eben nicht mit dem erhobenen Zeigefinger vermittelt wurde. Eine 1A-Tanzeinlage zum Auftakt ließ die Jugendlichen staunen. Jede Menge aberwitzige Bewegungen, perfekt im Rhythmus - mit vordergründigen wie hintersinnigen Anspielungen: Kabarett mit dem Körper. „Wir wollen Glücksgefühle haben, locker sein, lachen“, das sei ein wesentlicher Punkt, weshalb Menschen zu Alkohol oder Drogen griffen, meint der Bayer, der sich als Komiker bestens darauf versteht, sein Publikum zum Lachen zu bringen - garantiert ohne Drogen.
Und das bewies er fast zwei Stunden lang, in denen er die Absurdität des Konsums von Alkohol und anderen Drogen immer wieder darstellte und anprangerte, dass die sogenannten „legalen“ Drogen Alkohol und Nikotin gesellschaftlich akzeptiert sind, obwohl sie genauso Drogen seien mit gleichen Wirkungen und Beeinträchtigungen wie andere, nicht legale Drogen. Wie kann ein Raucher, der sich über das Nichtraucherschutzgesetz beschwert, von eingeschränkter persönlicher Freiheit sprechen, wenn doch vor allem er in seiner Nikotinsucht abhängig und unfrei ist? Wie kann es sein, dass nur der Konsum von Kokain auf dem Münchner Oktoberfest („Das weltweit größte Besäufnis.“) einen Skandal auslöst?
Gulps Vorstellung ist gespickt mit schauspielerischen Kabinettstückchen, Sprachspiel und einer großen Sprachvarianz. Die unterschiedlichsten Möglichkeiten in der Darstellung von Berauschten - Menschen in der Unzurechnungsfähigkeit - beherrscht der Komödiant bis ins Detail. Und er ist nicht zimperlich in seiner Ausdrucksweise. Mit der drastischen Darstellung, wie es einem Körper geht, der sich gegen zu viel Alkohol wehrt - und wo dessen Mageninhalt endet, versucht er, die Absurdität unmäßigen Alkoholkonsums plakativ zu zeigen.
Bei so viel Stimm- und Körpereinsatz Gulps, dazu in regem Austausch mit seinem begeisterten Publikum, stets spontan reagierend, kommen die anwesenden Lehrer von Wismarer Schulen und Umgebung ins Grübeln, wie sie im Anschluss an die Veranstaltung ihren Unterricht gegen solch professionelle Konkurrenz aufpeppen könnten.
Roy Rietentidt
AIDS-Hilfe Westmecklenburg



