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AIDS-Beratung Mittelfranken startet Präventionskampagne für Gehörlose

Einmalige Aktion im deutschsprachigen Raum

Die AIDS-Beratung Mittelfranken startete am 01.10.2010 in Zusammenarbeit mit der Landeszentrale für Gesundheit eine bayernweite Aufklärungskampagne mit AIDS-Plakaten in deutscher Gebärdensprache. Bisher gibt es kein vergleichbares Projekt in Deutschland.

Die Kampagne umfasst 13 Plakatmotive, die monatlich jeweils in einer Frauen- und Männerversion erscheinen werden. Themen sind u.a. der Gebrauch von Kondomen, die Übertragungswege, aber auch die besonderen Risiken im Urlaub.

Der Grund für diese Kampagne ist die im Vergleich zur Restbevölkerung doppelt so hohe Infektionsrate unter Gehörlosen. Eine Ursache hierfür sehen Experten/-innen darin, dass Gehörlose durch die gängigen Aufklärungskampagnen kaum erreicht werden. „Wenn sie taub sind, dann ist Deutsch für sie ihre erste Fremdsprache,“ erläutert die Aids-Beraterin Rosa Reinhardt, die selber von Geburt an taub ist. „Wir müssen die Dinge ausschließlich über das Sehen erfassen, während Hörende die Sprache nebenbei über das Gehör lernen. Wer die deutsche Sprache nicht hörend gelernt hat, hat oft Schwierigkeiten, Texte zu erfassen. Lange Broschüren muss man sich erst übersetzen. Viele steigen dann aus, da es ihnen zu lang und zu kompliziert wird.“

Hier setzen die Plakate an. Die Gebärdenfolgen sind mit einfachen Texten unterlegt, was sie auch für gehörlose Migrant/-innen verständlich macht. Ausgehängt werden sie in allen bayerischen Gesundheitsämtern, Sozialdiensten, Klinikambulanzen sowie Gehörlosentreffpunkten.

Die Kosten von €6.000 für die Aktion trägt das bayerische Gesundheitsministerium. Als Startpunkt wurde Nürnberg ausgesucht, da es neben Hamburg und Wien die einzige AIDS-Beratungsstelle im deutschsprachigen Raum mit einer Beratung über Bildtelefon und einer eigenen Sprechstunde für Gehörlose ist.

Wie wichtig Prävention ist, zeigt sich auch in den aktuellen Zahlen zu HIV und AIDS, die das Robert-Koch-Institut (RKI) in Berlin für ganz Deutschland sammelt und auswertet: Demnach lebten in Bayern Ende des Jahres 2009 rund 10.000 HIV-positive Menschen. 1.500 von ihnen, so wird geschätzt, waren bereits an AIDS erkrankt. Für 2009 rechnete das RKI mit etwa 400 HIV-Neuinfektionen in Bayern, genaue Zahlen dazu werden erst im Dezember veröffentlicht. Sicher ist jedoch, dass Männer mit gleichgeschlechtlichen Sexualkontakten nach wie vor am häufigsten betroffen sind: Mehr als 70 Prozent der Neuinfektionen betreffen Männer, die Sex mit Männern haben (MSM). Wie viele Menschen mit Behinderung von einer HIV-Infektion betroffen sind, wird statistisch nicht erfasst.

Weitere Informationen zur Gehörlosen-Aidsberatung erhalten sie bei der
AIDS-Beratung-Mittelfranken
Rieterstraße 23
90419 Nürnberg
Tel.: (0911) 32 25 024
Sprechzeiten jeden 1. Mittwoch im Monat von 18 bis 20 Uhr

Bild: Gabriele Schmitt, Geschäftsführerin der Landeszentrale für Gesundheit in Bayern, Wladislaus Rzepka und Rosa Reinhardt, beide AIDS-Beratung Mittelfranken, stellten am 27. September die Plakatkampagne den Medien vor (vl.n.r.).

QUELLE: http://www.stadtmission-nuernberg.de/

Aufklärungskampagne hier