/OZ/LOKAL/HGW vom 09.03.2010 00:30
Kein Segen für Homo-Paare: Bischof gerät in die Kritik

Will gleichgeschlechtliche Partnerschaften nicht absegnen:
Bischof Hans-Jürgen Abromeit. Foto: OZ
Hans-Jürgen Abromeit, Bischof der pommerschen Landeskirche, lehnt es ab, gleichgeschlechtliche Paare öffentlich zu segnen. Das stößt beim schwul-lesbischen Landesverband auf Kritik.
Greifswald (OZ) - Kirchlich heiraten. Für viele Gläubige gehört dieser Punkt fest zur Lebensplanung — nicht unbedingt, um sich den berühmten Traum in Weiß zu erfüllen, sondern um mit dem Segen Gottes einen neuen Lebensabschnitt zu beginnen. Selbstverständlich wünschen sich diesen Segen nicht nur heterosexuelle, sondern auch homosexuelle Paare. In einigen Kirchen ist die öffentliche Segnung für gleichgeschlechtliche Partnerschaften im Gottesdienst mittlerweile möglich.
Allerdings nicht in der Pommerschen Evangelischen Kirche. So soll es nach Wunsch von Bischof Hans-Jürgen Abromeit auch bleiben. Der geistliche Würdenträger sagte dem evangelischen Pressedienst (epd), dass solche Praktiken angesichts der biblisch-theologischen Hintergründe „nicht dem Leitbild der christlichen Kirche“ entsprechen würden.
Roy Rietentidt, Geschäftsführer des Landesverbandes der Lesben und Schwulen Mecklenburg-Vorpommern „Gaymeinsam e. V.“, bezeichnete diese Einstellung als „weltfremd“. Etwa ein Drittel der Mitglieder des Verbandes gehören laut Rietentidt der evangelischen Kirche an. Für Homosexuelle gebe es schließlich die Möglichkeit, in einer eingetragenen Partnerschaft zu leben. Viele würden sich deshalb wünschen, diese auch segnen zu lassen. „Was spricht also dagegen?“, fragt er. Dabei stehe besonders bei gläubigen AIDS-infizierten Homosexuellen auch der Wunsch nach Absicherung des Partners im Vordergrund. Überrascht habe ihn die Aussage Abromeits jedoch nicht. „Wir haben keinen Kontakt zu der Pommerschen Evangelischen Kirche“, sagt Rietentidt. Zwar sei der Kontakt auf kleiner Ebene zu einzelnen Pastoren gut, aber sobald es eine Stufe höher gehe, gebe es Probleme. „Wir haben schon oft zu Veranstaltung geladen und niemand ist gekommen“, sagt er.
Nach den Äußerungen des Bischofs fordert der Geschäftsführer Abromeit jetzt zum Gespräch auf. „Er kann zu uns kommen, um mit den Homosexuellen über die Segnung zu sprechen und sich anhören was die Basis dazu sagt.“ Auch für die zu Pfingsten 2012 geplante Fusion der drei Landeskirchen Pommern, Nordelbien und Mecklenburg zu einer gemeinsamen Nordkirche könnte dieses Thema von Bedeutung sein. Im Gegensatz zu den anderen beiden praktiziert die Nordelbische Evangelisch-Lutherische Kirche längst die öffentliche Segnung von gleichgeschlechtlichen Partnerschaften. Zwar müssen dafür besondere Voraussetzungen erfüllt sein, wie ein Konsens zwischen Probst, handelndem Geistlichen und der Kirchengemeinde vor Ort. Doch eine Änderung dieser Handhabung werde es wegen der Fusion nicht geben, sagte Bischof Gerhard Ulrich. Die Regelung in diesem Bereich sei aber nur ein Nebenaspekt der Fusionsverhandlungen, beschwichtigte ein Sprecher der Pommerschen Kirche auf Anfrage der OSTSEE-ZEITUNG. Im Herbst wollen die Spitzen der drei beteiligten Landeskirchen über das Thema beraten.
Hier geht es zum Original Artikel der Ostsee-Zeitung.de