Protokoll Fachtagung Homophobie am 18.11.2009
Ort: Ministerium für Gesundheit und Soziales des Landes MV
Werderstraße 124, 19053 Schwerin
Beginn: 10.00 Uhr
Teilnehmer: Siehe Teilnehmerliste
- Roy Rietentidt vom LSVD-LV MV Gaymeinsam e.V. eröffnete die Fachtagung und begrüßte alle Anwesenden. Er stellte die beiden Referenten vor sowie Herrn Schiller und Gnass als Vertreter des Ministerium für Soziales und Gesundheit des Landes MV. Er dankte für die Unterstützung durch das Ministerium. Es folgte eine kurze Erläuterung über den Ablauf der Fachtagung.
- Herr Schiller, Referatsleiter Familienförderung im Ministerium begrüße alle Anwesenden und gab eine kurze Einführung.
- Es folgte der Fachvortrag von Maik Exner-Lamnek (VelsPol MV) zu dem Thema: Aktuelle Situation in Mecklenburg-Vorpommern zur Homophobie.
Siehe Anlage 1
Nach dem Vortrag von Maik Exner-Lamnek gab es eine rege Diskussion unter den Teilnehmern der Fachtagung. Es wurden mehrere Fragen an Maik Exner-Lamnek gestellt. U.a. zu weitergehenden Angaben betreffs Statistik für MV, Einsatz der Polizei bei lesbisch-schwulen Veranstaltungen, Teilnahme VelsPOL MV bei den CSD´s in MV und mehr.
- Herr Walther, Dipl. Psychologe und Mitarbeiter der Humboldt-Universität Berlin hielt einen Vortrag über die Folgen der Homophobie aus Sicht der Betroffenen. Er schilderte kurz seinen beruflichen Werdegang über die Ausbildung als Psychologe, Mitarbeiter bei manometer in Berlin, den Aufbau des heutigen Projektes in Berlin und seiner Tätigkeit bei der Humboldt-Universität in Berlin. Nebenbei praktiziert Herr Walther noch in einer Praxis.
In seinem Referat ging Herr Walther auf folgendes ein:
Wodurch kann ein Trauma entstehen?
- durch den Verlust einer Person
- durch einen Unfall
- durch Gewalt
- durch Krieg
Bei einem Trauma bricht die psychische Stabilität des Betroffenen zusammen. Nicht jeder bekommt durch ein negatives, einschneidendes Erlebnis ein Trauma. Jeder verarbeitet es anders. Betroffene brauchen Hilfe, um diese psychische Stabilität wieder zu gewinnen. Zeitnahe Hilfe wäre zu empfehlen, da es von alleine nicht besser wird.
Es gibt unterschiedliche Formen eines Traumas. Das sind:
Additive Trauma: z.B. bei Gewalttaten und Sprüchen
Kumulierte Trauma: z.B. bei einer Diskriminierung auf dem Arbeitsplatz und gleichzeitig auch Diskriminierung auf der Straße und in seiner Nachbarschaft. Es treten also gleich mehrere Diskriminierungen an verschiedenen Orten auf, die Betroffene nicht mehr verarbeiten können.
Sequentielle Trauma: z.B. bei der Diskriminierung durch die Polizei, Therapeuten, Hilfeeinrichtungen etc. Die Personen die eigentlichen helfen sollten, diskriminieren den Betroffenen ebenfalls.
Wir macht sich ein Trauma bemerkbar?
- Kontrolle: Die Psyche will alles im Überblick behalten, versucht sich immer, Wege offen zu halten. Kontrollzwang. Alles unbewusst.
- Überreagieren: Heftige Reaktion auf Kleinigkeiten, Achtet auf jede Kleinigkeit, Triggerpunkte. Fühlt sich erinnert an das Ereignis – Alles unbewusst.
- Negative Sichtweise: Betroffene reden sich den schlechten Ausgang einer Sache ein. Das kann auf viele Bereiche zutreffen.
- Rationalisierung: Betroffene neigen dazu, das erlebte völlig zu negieren.
- Flashback: Das Wiedererleben früherer Gefühlszustände. Passiert unbewusst. Betroffene können es aktiv nicht beeinflussen.
- Retraumatisierung: Durch ein erneutes Trauma wird das alte Trauma aktiviert.
Erste Hilfe durch Krisentelefon oder Beratungsstellen.
Wichtig ist die unterstützende Hilfe durch das Umfeld des Betroffenen.
Opfer muss das Gefühl der Sicherheit bekommen.
Hilfe geben auch Opferverbände, Selbsthilfegruppen und lesbisch-schwule Vereine.
Wichtig ist die Edukation – Das Wissen über die eigene Krankheit. Professionelle können helfen – Psychotherapeuten.
Zusammenfassend:
Ein Trauma liegt vor, durch ein seelisch einschneidendes Erlebnis verbunden mit einem Selbstwerteinbruch durch die Tat.
Das Einbinden der Freunde und des soziales Umfeldes ist für den Betroffenen sehr wichtig.
Erste Hilfe können Beratungsstellen, Telefonseelsorge und Selbsthilfegruppen geben.
Es darf keine Bagatellisierung stattfinden. Dadurch wird das Trauma noch verschlimmert.
Professionelle Hilfe durch Therapeuten ist zwingend und zeitnah notwendig.
Es folgte eine rege Diskussion unter den Teilnehmern der Fachtagung. Es wurde mehrere Fragen an Herrn Walther gestellt. U.a. zu den Themen: Ist Homophobie bei Therapeuten auch ein Thema? Welche Hilfestrukturen sind für Betroffene wichtig? Wie ist die Situation in Berlin? Allgemeine Fragen zum Thema Homophobie,
- Von 12.40 bis 13.20 Uhr Mittagspause
- Um 13.20 wurden die Teilnehmer gebeten, sich in den beiden Workshops zu verteilen. Die beiden Workshops wurden jeweils geleitet durch Frau Drisga von Vorstand LSVD LV MV Gaymeinsam e.V. sowie Maik Exner-Lamnek VelsPOL MV.
15.00 Uhr Auswertung der Workshops
Mitglieder des Netzwerkes:
- LSVD – Landesverband Mecklenburg Vorpommern „ Gaymeinsam“ e.V.
(als Vertreter der lesbisch schwulen Vereine in MV)
-> Leitung und Koordination des Netzwerkes
- Kultusministerium – Schulen
- weitere Ministerien anfragen
- Gleichstellungsbeauftragte
- Landesjugendamt – MV
- Landesjugendring – MV
- Landessportbund
- Kommunale Spitzenverbände
- Ärztekammer
- alle Parteien
- Lokales ?? für Familie -> Landeselternrat
- Lehrer / Schulsozialarbeiter
- Interventionsstellen / Opferberatung / „Weißer Ring“
- Psychologen & Physiologen
- LKA / Polizei -> Spezielle Ansprechpartner bei der Polizei (Ansprechpartner schaffen)
Hierzu soll ein Schreiben an das Sozialministerium gerichtet werden, mit der Bitte um Unterstützung - Weitere Beratungsdienste
Es wird eine kleine Gruppe von Mitgliedern des Netzwerkes vorgeschlagen, die bei Bedarf Kontakt zu den Kooperationspartnern aufnehmen.
Ziele / Aufgaben des Netzwerkes
- Aufklärung / Prävention an Schulen, Berufsschulen, Hochschulen usw.
- Analyse der Vorhanden Angebote
- Vorhanden Angebote / Strukturen der Mitglieder nutzen und ausbauen
- personelle Ausstattung der Beratungsstellen
- Vernetzung der Vereine, Behörden und Gruppen
- Studie zu Homophobie in MV (Hochschule / Studenten z.B. Diplomarbeit)
- Unterstützung der Vereine vor Ort
- Öffentlichkeitsarbeit z.B. Infostand in Anklam
- Bewusstsein bei Eltern und Senioren schaffen
- Erstellung einer eigenen Geschäftsordnung
- Niedrigschwellige, kurzfristige und bedarfsgerechte Zugänge schaffen
- Erstellen eines Kataloges über Anlaufstellen/Angebot in MV als Leifaden und Hilfestellung der Vereine und Gruppen
- Homosexualität in die Lehrpläne stärker verankern
- Homosexualität in die Lehrpläne und Fortbildungen der Polizei
- Anlaufstellen für Opfer schaffen
- Beratungsangebote schaffen (Telefonberatung Onlineberatung, Themenchats)
–> anonyme Beratung
- Online-Plattform schaffen